16
Dez
2008

Der neue Bond

Jetzt habe ich es doch noch geschafft, 2008 ins Kino zu kommen. Seltsam, ich weiß auch nicht, was meine Filmmüdigkeit dieses Jahr hervorrief (die sich im übrigen nur auf aktuellen Stoff bezog, 2008 war für mich auch ein Jahr der alten Filme). Jedenfalls letzte Woche den neuen Bond gesehen und ich muss zugeben: Ich gehe da mit. Wenn auch mit einem weinenden Auge.

Ich bin mit Bond groß geworden. Samstag abends neben meiner Mama auf der Couch zu sitzen und Bond zu schauen: Das ist eines der prägenden Bilder meiner persönlichen Kindheits-Ikonographie. Meine Reiselust schiebe ich immer noch zu großen Teilen auf die Bond-Filme, die mir via Bildschirm die Welt zeigten. Als dann Brosnan kam fing ich an, die alten Filme nochmals zu schauen – zu dem Zeitpunkt zum ersten Mal mit einem sich dem Filmischen bewußten Blick und natürlich veränderte das diese Ikonographie, sie bekam Risse und wurde brüchig. Ein paar schlicht schlecht geschriebene Filme (Moonraker, On Her Majesty's Secret Service), ein paar mit grausigen Darstellern (Dalton, natürlich Lazenby) und Bond war nicht mehr der 007, den ich so gerne in meinen Kindeitserinnerungen verklärte.

Mit Brosnan selber wurde ich nie warm. Ja, er hatte schon etwas von diesem britisch-versnobten, was ich an Connery so schätzte, nur übertrieb Brosnans Bond es mit der Ironie und dem Snobismus; Brosnans 007-Filme waren mir zu sehr over the top, zu bewußt auf das Comic-hafte der Serie setzend.

Dann also der Neue. Und mit einem Mal war alles Comic-hafte, jegliche Ironie, das britische Understatement und natürlich die Martini-Sprüche obsolet. Daniel Craig schwitzte, muskelte, grummelte und mordete sich durch den letzten Film. Der aktuelle Film setzt das fort und wandelt sich jetzt auch filmisch hin zu einem bösen, dunklen und vor allem: schnellen Actionreißer. D., mit der ich im Kino war, sagte danach bei einem Gin Tonic der neue Bond sei endlich »echt« (as in ein echter Kerl, echte Action, echte Tote etc.). Echt also vermutlich auch im Sinne der Logik des Action-Genres. So im Nachinein finde ich das eigentlich ganz interessant. Die Leichtigkeit des postmodernen Actionfilms, der seinen Gegenentwurf nicht nur mitdenkt sondern gleich auch deutlich zeigt bzw. vorführt, der immer gleich zur These die hausgemachte Antithese mitliefert (und die Sythese oft schuldig bleibt, denn darum geht es ja), diese Leichtigkeit scheint mir wieder zu schwinden zu Gunsten des harten und blutigen Reißers wie auch der letzte Rambo einer war.

Gleichzeitig bekommt der Bond Daniel Craig’scher Bauart dadurch auch psychologische Tiefe verpasst. Der neue Bond sinnt auf Rache, ein Gefühl, dass in den alten Filmen schlicht nicht existent war. Der Bond meiner Kindheit tötete für die Krone, aber eigentlich war er nur ein zu groß geratener, äußerst gut gekleideter und sich distinguiert gebender Lausbube, der von den schönen Dingen des Lebens (Frauen, Alkohol, Parties...) einfach nicht lassen konnte. Für den neuen Bond spielen diese schönen Dinge nur noch eine Rolle in ihrer sedierenden Form (die Martini-Szene!) oder aber sie werden en passant mitgenommen: Die einzige Liebesszene mit der Agentin ist auch wieder so schnell vorbei, wie sie begann.

Vor allem aber ist der neue Bond eines: Schnell. Die Anfangsszene gehört mit zum visuell überwältigsten was ich dieses Jahr im Film gesehen habe (Thomas charakterisiert sie hier ganz richtig als fast schon avantgardistische Form). Die neuen Filme sind in gewissem Maße reduktionistisch indem sie allen Tand in Form von Ironie, Ausstattung und Humor über Bord werfen. Gut so. Und zugleich: Schade.

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wiesengrund - 16. Dez, 11:30

ich fand ihn ehrlich auch gut, und fand auch diese schier stoische authentizität irgendwie einen spannende idee.

ich meine, in the long run, war DER postmoderne gegenentwurf eines action-films dann doch mein film des jahres, aber gegen den dunklen ritter anzutreten war ja auch nie bonds ziel. andere liga.

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