!

23
Aug
2009

Topographie

Ich erobere. Ich sehe die Stadt und verschwinde in ihr. Frankfurt ist für mich erst wenige Wochen alt, die Straßen begehe ich noch suchend, tapsend. Mit jedem Schritt verleibe ich mir das Vektorengeflecht der Straßen, Parks und Hochhausschluchten ein. Die Kinder kicken im Hinterhof, ich bin der Eindringling. Ihre geröteten Gesichter schauen mir halb neugierig, halb feindlich entgegen, ich gehe weiter. Der Hund an der Ecke, die zwei Männer an der Trinkhalle, dort der Junge, der seiner Freundin mit seinem Auto zu imponieren versucht. An der Ampel warte ich auf grün, das habe ich lange nicht mehr getan. Die Sonne wirft inzwischen ein mehr rötliches als gelblich-weißes Licht auf mich herab. Ich blinzel den Reflektionen des großen Flußes aufmunternd zu. Nein, meine Stadt wird das nicht. Aber ich erobere. Langsam. Als ich auf der Brücke über den Fluß schleiche, vorsicht, vorsicht, fährt unter meinen Füßen ein Partyschiff durch. 125 BPM gegen die Wellen. Frankfurt war mal härter. Ich sitze jetzt eine Stunde lang am Fluß im schon feucht werdenden Gras. Licht spenden nur mehr die stinkenden Fackeln der gröhlenden Typen wenige Meter von mir entfernt. Ich beobachte einen jungen Kerl beim Verticken. Ich bekomme angeboten: Gras, Shit, Speed. Die Zigaretten gehen mir aus. Ich werde gebeten um: Kleingeld, Flaschen. Ich beginne den Sound der Stadt zu spüren, ihren Rhytmus zu ahnen. Mein Brustkorb hebt und senkt sich mit dem Atem der Stadt. Ein. Aus. Ein. Ein. Durch das neonerleuchtete Viertel gehe ich nach Hause. Flaschen fliegen, die Wagen fahren langsamer um den sich auf der Straße Prügelnden Platz zu lassen. Ekel und Faszination. Ich erobere.

...

Npathie

14
Jan
2009

John Stewart

im Gespräch mit Mike Huckabee zur Homoehe:

13
Jan
2009

Seeßlen zur BILD

Und genau deswegen lese ich Seeßlen so gerne. Er schafft es, jedem noch so ausgelutschten Thema noch ein paar neue Facetten abzugewinnen. Diesmal in der aktuellen Freitag zur BILD:

»Vielleicht funktioniert das System Bild als guilty pleasure, als exploitation und als trash auch deshalb so perfekt, weil es hierzulande nicht einmal die Begriffe gibt, es zu beschreiben, geschweige denn ein gesellschaftliches Projekt, einem Presseerzeugnis, das sozusagen offiziell als Fehlentwicklung gekennzeichnet ist, Kontrolle, Beschränkung und Aufklärung entgegen zu setzen. Der Bild-Zeitung ist es gelungen, von trash und exploitation zum Mainstream zu werden - schon wieder ein Begriff der angelsächsischen Sprache. Es klingt vielleicht noch etwas heftiger, wenn man es auf Deutsch sagt: Mit der Bild-Zeitung ist ein Medium, dass man eigentlich nur klammheimlich, mit schlechtem Gewissen und an eher anrüchigen Orten konsumieren würde, durch einen politischen und kulturellen Konsens in die Mitte der Gesellschaft gerückt und zum anerkannten, verbindlichen und allseits (beinahe) geschätzten "Leitmedium" geworden. Das heißt am Ende: Es gibt keine Kritik der Bild-Zeitung ohne Kritik der Kultur, der Gesellschaft, der Politik und des Staates. Anders gesagt: Bild-Kritik ist radikal, oder man kann sie gleich vergessen.«

>>> Georg Seeßlen / Markus Metz: Ja, wir können das tun – Warum es so schwer ist, die "Bild"-Zeitung zu kritisieren. Und warum man es dennoch machen sollte

10
Jan
2009

Mannichl

Oha!

»Der häufig als Parole gebrauchte Begriff ›Nationaler Widerstand‹ wird seit den Verbotsmaßnahmen in den Neunzigerjahren besonders von Neonazis verwendet, aber nicht ausschließlich«, sagte Fromm der Zeitung. »Jedenfalls firmiert unter diesem politischen Label keine bestimmte Gruppe.« (ZEIT Online)

Genau. Und weil es keine bestimmten Gruppen unter dem Titel Nationaler Widerstand gibt (hüstel: nwbb.org räusper: nw-berlin.net), stecken da bestimmt wieder diese Kommunisten dahinter. Kennt man ja, sich erst als linke Autonome verkleiden und dann … ach, halt, das war ja andersrum.
Manchmal kann man gar nicht so viel essen, wie man kotzen möchte.

16
Dez
2008

Der neue Bond

Jetzt habe ich es doch noch geschafft, 2008 ins Kino zu kommen. Seltsam, ich weiß auch nicht, was meine Filmmüdigkeit dieses Jahr hervorrief (die sich im übrigen nur auf aktuellen Stoff bezog, 2008 war für mich auch ein Jahr der alten Filme). Jedenfalls letzte Woche den neuen Bond gesehen und ich muss zugeben: Ich gehe da mit. Wenn auch mit einem weinenden Auge.

Ich bin mit Bond groß geworden. Samstag abends neben meiner Mama auf der Couch zu sitzen und Bond zu schauen: Das ist eines der prägenden Bilder meiner persönlichen Kindheits-Ikonographie. Meine Reiselust schiebe ich immer noch zu großen Teilen auf die Bond-Filme, die mir via Bildschirm die Welt zeigten. Als dann Brosnan kam fing ich an, die alten Filme nochmals zu schauen – zu dem Zeitpunkt zum ersten Mal mit einem sich dem Filmischen bewußten Blick und natürlich veränderte das diese Ikonographie, sie bekam Risse und wurde brüchig. Ein paar schlicht schlecht geschriebene Filme (Moonraker, On Her Majesty's Secret Service), ein paar mit grausigen Darstellern (Dalton, natürlich Lazenby) und Bond war nicht mehr der 007, den ich so gerne in meinen Kindeitserinnerungen verklärte.

Mit Brosnan selber wurde ich nie warm. Ja, er hatte schon etwas von diesem britisch-versnobten, was ich an Connery so schätzte, nur übertrieb Brosnans Bond es mit der Ironie und dem Snobismus; Brosnans 007-Filme waren mir zu sehr over the top, zu bewußt auf das Comic-hafte der Serie setzend.

Dann also der Neue. Und mit einem Mal war alles Comic-hafte, jegliche Ironie, das britische Understatement und natürlich die Martini-Sprüche obsolet. Daniel Craig schwitzte, muskelte, grummelte und mordete sich durch den letzten Film. Der aktuelle Film setzt das fort und wandelt sich jetzt auch filmisch hin zu einem bösen, dunklen und vor allem: schnellen Actionreißer. D., mit der ich im Kino war, sagte danach bei einem Gin Tonic der neue Bond sei endlich »echt« (as in ein echter Kerl, echte Action, echte Tote etc.). Echt also vermutlich auch im Sinne der Logik des Action-Genres. So im Nachinein finde ich das eigentlich ganz interessant. Die Leichtigkeit des postmodernen Actionfilms, der seinen Gegenentwurf nicht nur mitdenkt sondern gleich auch deutlich zeigt bzw. vorführt, der immer gleich zur These die hausgemachte Antithese mitliefert (und die Sythese oft schuldig bleibt, denn darum geht es ja), diese Leichtigkeit scheint mir wieder zu schwinden zu Gunsten des harten und blutigen Reißers wie auch der letzte Rambo einer war.

Gleichzeitig bekommt der Bond Daniel Craig’scher Bauart dadurch auch psychologische Tiefe verpasst. Der neue Bond sinnt auf Rache, ein Gefühl, dass in den alten Filmen schlicht nicht existent war. Der Bond meiner Kindheit tötete für die Krone, aber eigentlich war er nur ein zu groß geratener, äußerst gut gekleideter und sich distinguiert gebender Lausbube, der von den schönen Dingen des Lebens (Frauen, Alkohol, Parties...) einfach nicht lassen konnte. Für den neuen Bond spielen diese schönen Dinge nur noch eine Rolle in ihrer sedierenden Form (die Martini-Szene!) oder aber sie werden en passant mitgenommen: Die einzige Liebesszene mit der Agentin ist auch wieder so schnell vorbei, wie sie begann.

Vor allem aber ist der neue Bond eines: Schnell. Die Anfangsszene gehört mit zum visuell überwältigsten was ich dieses Jahr im Film gesehen habe (Thomas charakterisiert sie hier ganz richtig als fast schon avantgardistische Form). Die neuen Filme sind in gewissem Maße reduktionistisch indem sie allen Tand in Form von Ironie, Ausstattung und Humor über Bord werfen. Gut so. Und zugleich: Schade.

9
Dez
2008

Technodokus

Plexifilm stellen ihre – okaye, aber dann doch nicht so pralle – Techno-Doku »High Tech Soul: The Creation of Techno Music« zum Stream bei vimeo bereit.

Die vor kurzem erst erschienene Doku »We Call It Techno!« von Maren Sextro und Holger Wick ist da wesentlich interessanter, beschäftigt sich aber fast auschließlich mit den Technopolen Frankfurt und Berlin zur großen Rave-Zeit – das aber mit wahnsinnig viel Originalfilmmaterial von anno dunnemals und den entsprechenden Augen- resp. Ohrenzeugen, denen man durchaus auch ansieht, wie alt Techno inzwischen geworden ist.

Außerdem gab’s da ja noch Maja Classen »Feiern«, auf den man auch getrost hätte verzichten können. Ein paar Kumpels und drei, vier Technogrößen aufm heimischen Sofa Schmusefragen nach dem Geheimnis der Nacht zu stellen, reicht halt nicht für ne interessante Doku. Da halte ich es mit Miss Kittin: »You can philosophize forever, you will never find the words. When was the last time you sweat on a dance floor?«

[via]

22
Nov
2008

...

Ich kann mich ja auch immer wieder ausgiebigst über die Möglichkeiten und Gleichzeitigkeiten des Mediums freuen. Martin Lindner über sich überlagernde Aktion/Reaktion anläßlich des gestreamten Diederichsen-Vortrages Warum es keine Popkultur gibt:

»als ich über Twitter gehört habe dass Diederichsen in Österreich am selben tag, in einer stunde, eine Pop-Vorlesung hält, jemand vorschlug das live zu streamen, das über make.tv sofort gemacht wurde, ich am heimischen schreibtisch dabei war, das live ins blog mitschrieb, dann in einem neuen blog post gedanken zu einer frage bündelte, die ich in Twitter als solche verlinkte, und die frage dann 5 minuten später vorgelesen und sorgfältig beantwortet wurde, und ich die antwort auch gleich hier mitschrieb, und Diederichsen fragte, wer sie gestellt hatte, und dann dieses Blog genannt wurde, das genaugenommen (im "Aging of Pop" thread) eine sehr späte wiederaufnahme der alten Spex/Sounds-kulturfragen war, undsoweiter undsofort ...
das ist zirkulation in einem unfassbaren tempo, das sich quasi selbst überholt. schwindlig machend. aber ein medium, das so etwas kann, *muss* doch revolutionär sein.«

>>> zirkulation/schwindel

Frost/Nixon: The Original Watergate Interviews

1977 war das Jahr in dem Sir David P. Frost den damals nicht mehr amtierenden Richard Nixon zum Interview bat. Ursprünglich war geplant, die Gespräche über 12 Tage und 24 Stunden laufen zu lassen. Letztendlich dauerte das Interview geschlagene 29 Stunden. In diesen 29 Stunden gelang es Frost, Nixon zu brechen. Der zu Beginn noch jegliche Beteiligung an einer Verschwörung verleugnende Nixon entschuldigte sich schließlich beim amerikanischen Volk und gab zu, in die Watergate-Vorfälle involviert gewesen zu sein. Er wird sich davon bis zu seinem Tod 1994 nie mehr erholen.

Am 2. Dezember erscheint die DVD »Frost/Nixon: The Original Watergate Interviews« bei Liberation Entertainment (wo vor kurzem auch einen gute Doku zu Larry Flint erschien), die einen 90minütigen Zusammenschnitt des Interviews enthält. Auf die Gesamtedition muß also noch gewartet werden – sollte sie überhaupt irgendwann erscheinen. Im letzten Jahr bereits erschien das sehr empfehlenswerte Buch »Frost/Nixon: Behind the Scenes of the Nixon Interviews« als Paperback bei Harper Perennial.

Diese Woche war Frost, immer noch klug, distinguiert, humorvoll und äußerst charmant bei John Stewart. Das Video ist hier zu sehen:

19
Okt
2008

...







[file under: Probier das mal mit ner Digiknipse, Aller!]
logo

»[…]«

Suche

 

Menü

.

>>> Furl
>>> Flickr
>>> Last.fm
>>> Draußen
>>> RSS