14
Jul
2007

...



>>> Kurzfilmfestival

&

Nicht zu vermissende Momente: Um ein Uhr nachts im Efeu-übersäten, leicht heruntergekommenen Biergarten der schönsten Frau der Welt einen Wein und sich selbst einen Espresso zu bestellen, bevor es dann los gehts, auf in die Nacht, nur um gegen zwei, drei Uhr festzustellen, dass der Rest der Nacht jetzt doch ganz gut zu zweit erfahren werden sollte. Zunächst aber auf der Tanzfläche: Eine wohl den Fünfzigern entgegengehende Frau in weitem, fließendem Hippie/Gothic-Kleid, nein, -Gewand und jemand, der sich auf dem Weg zum Club unserer kleinen Gruppe angeschlossen hatte. Lustig: Niemand kannte ihn, erst nachdem wir schon längst im Club waren und dieser Kerl (vom Typ, wie Einzelkinder wie ich sich einen kleinen Bruder wünschen: slicke Mireille-Maththieu-Frisur, ACNE-Jeans, weiße Sneaker, knallrosanes, enges Shirt und das unglaublich unschuldige Gesicht eines Fünzehnjährigen) selbtvergessen auf der Tanzfläche umherwirbelte stellte sich heraus, dass er ganz offenbar Fan einer Radiosendung ist, die A. macht und sich ihm deswegen an die Fersen geheftet hatte.

&

Dann zu Hause mit S. eine Typologie der Single-Wohnung entworfen. Schon vor längerer Zeit wies mich T., die ein Wochenende lang bei mir zu Besuch war, darauf hin, der untrüglichste Hinweis darauf, dass ich in meiner Wohung alleine lebe, sei der fehlende Mülleimer im Bad. Gestern ist dann hinzugekommen: Keine Tischdecken (Wozu?), grundsätzlich fast immer offene Jalousien mit freiem Blick auf des Nachbbars Wohnzimmer und vice versa, geordnete Plattensammlung bei sonstigem Hang zum Chaos.

11
Jul
2007

...

»Modern sein heißt, die Welt als Bild zu begreifen. Eine der bis heute besten Darstellungen dieses Wandels hat Martin Heidegger in seinem Aufsatz ›Die Zeit des Weltbildes‹ geliefert. ›Weltbild, wesentlich verstanden‹, schreibt Heidegger, ›meint daher nicht ein Bild von der Welt, sondern die Welt als Bild begriffen.‹ Das Bild ist im Denken der Moderne kein Abbild von etwas mehr, das Dinge und Lebewesen originalgetreu nachzeichnet, sondern ein Modell, über das der Mensch verfügt und in dem er seine Korrekturen anbringt. Im Bild wird die Welt ästhetisiert und das Original, das Leben sozusagen, marginal. Mit der Verbildlichung der Welt werden die Gegenstände aber nicht nur ästhetisiert, sie werden auch in einem essenziellen Sinn aus der Macht des Schöpfergottes genommen. Mit der Ästhetisierung der Natur verliert Gott seine Macht über die Dinge. Auch deshalb gehören Bilder und bildgebende Verfahren zu den methodischen Unabdingbarkeiten der modernen Naturwissenschaften. Und moderne Naturwissenschaften sind seit ihrem Aufkommen im 17. Jahrhundert substanziell atheistisch. Wissenschaft ist nur möglich unter der Annahme, dass es keinen Gott gibt.«

>>> Cord Riechelmann zum evangelikalen ›Atlas der Schöpfung‹

7
Jul
2007

...



>>> Inversion. A House Installation by Dan Havel and Dean Ruck

...

Ich muss darauf nochmal zurückkommen und bin wohl eine Erklärung schuldig.

Das Buch hat mich aus mehreren Gründen geärgert. Dazu muss man zunächst mal wissen, dass es sich bei »Der Tanz um die Lust« formal weder um einen rein literarischen noch um einen explizit nicht-fiktionalen Text handelt. Von Schirach vermengt die dreieinhalb ihr zugeflogenen Gedanken mit semibiographischen Erzählpartikeln und Seminarliteratur (es gibt ein kleines Literaturverzeichnis, dazu später mehr). Das muss man nicht schlecht finden. Tatsächlich machen Dath, Meinecke und viele andere das schon seit langem und ich verehre sie dafür. Aber man sollte natürlich fragen: Warum macht von Schirach das? Diese Form führt bei ihr zu nichts als zu Langeweile. Ihre Figuren (»Freunde«) sehen natürlich alle verdammt gut aus, haben ein fluffiges Sexualleben, verdienen gut oder sind gerade dabei bald gut zu verdienen und wirken insgesamt wie Blaupausen von Mercedes’ »Urbanem Penner«. Die nicht-fiktionalen Teile des Buches beschäftigen sich mit, ja, mit was eigentlich? Grundsätzlich geht es um Sex, wie man ihn zu haben hat und wie besser nicht, darum, dass Liebe ja auch ganz töfte ist, beides zusamen aber nun wirklich das Nonplusultra und mehr Weisheiten Marke Binse.

Insgsamt prägt den Text so ein touchy-feely-Gestus. Everything goes, ist dann aber doch, vielleicht, irgendwie böse. Von Schirach weiß nicht wohin zwischen neuer F-Klasse und Alice Schwarzer. Der Duktus des Ungefähren verrät sie.

Wie gesagt, es gibt ein Literaturverzeichnis, das nach Distinktion schreit und vielleicht einiges zu erklären vermag. Dabei jedenfalls nur einen einzigen nicht-deutschsprachigen Text verzeichnet. Man könnte wissen, dass die Cultural Studies und damit eines der größten Gebiete zur Forschung über Sexbilder ihre Wiege in Übersee hat. So aber liest von Schirach Blödsinn von Norbert Bolz und Ulf Poschardt, viel Primärliteratur von Nin bis Gustave Flaubert, kaut einige halbverdaute Gedanken Baudrillards wieder and that’s it. Wie man von einem vermeintlich feministischen Standpunkt aus über Porno schreiben kann und weder Linda Williams noch Andrea Dworkin erwähnt, ist mir ein Rätsel.

Und ja, das Buch wird sich selbstverständlich gut verkaufen. Und ja, es ist Hochstapelei. Auf niedrigem Niveau im Übrigen. Und ja, sie hat nicht Unrecht. Wie eben jemand kein Unrecht haben kann, der keinen Standpunkt hat.

Das Buch ist meinungs- und willen- und stillos. Geht es irgendwie schlimmer?
logo

»[…]«

Suche

 

Menü

.

>>> Furl
>>> Flickr
>>> Last.fm
>>> Draußen
>>> RSS