...
Ich muss darauf nochmal zurückkommen und bin wohl eine Erklärung schuldig.
Das Buch hat mich aus mehreren Gründen geärgert. Dazu muss man zunächst mal wissen, dass es sich bei »Der Tanz um die Lust« formal weder um einen rein literarischen noch um einen explizit nicht-fiktionalen Text handelt. Von Schirach vermengt die dreieinhalb ihr zugeflogenen Gedanken mit semibiographischen Erzählpartikeln und Seminarliteratur (es gibt ein kleines Literaturverzeichnis, dazu später mehr). Das muss man nicht schlecht finden. Tatsächlich machen Dath, Meinecke und viele andere das schon seit langem und ich verehre sie dafür. Aber man sollte natürlich fragen: Warum macht von Schirach das? Diese Form führt bei ihr zu nichts als zu Langeweile. Ihre Figuren (»Freunde«) sehen natürlich alle verdammt gut aus, haben ein fluffiges Sexualleben, verdienen gut oder sind gerade dabei bald gut zu verdienen und wirken insgesamt wie Blaupausen von Mercedes’ »Urbanem Penner«. Die nicht-fiktionalen Teile des Buches beschäftigen sich mit, ja, mit was eigentlich? Grundsätzlich geht es um Sex, wie man ihn zu haben hat und wie besser nicht, darum, dass Liebe ja auch ganz töfte ist, beides zusamen aber nun wirklich das Nonplusultra und mehr Weisheiten Marke Binse.
Insgsamt prägt den Text so ein touchy-feely-Gestus. Everything goes, ist dann aber doch, vielleicht, irgendwie böse. Von Schirach weiß nicht wohin zwischen neuer F-Klasse und Alice Schwarzer. Der Duktus des Ungefähren verrät sie.
Wie gesagt, es gibt ein Literaturverzeichnis, das nach Distinktion schreit und vielleicht einiges zu erklären vermag. Dabei jedenfalls nur einen einzigen nicht-deutschsprachigen Text verzeichnet. Man könnte wissen, dass die Cultural Studies und damit eines der größten Gebiete zur Forschung über Sexbilder ihre Wiege in Übersee hat. So aber liest von Schirach Blödsinn von Norbert Bolz und Ulf Poschardt, viel Primärliteratur von Nin bis Gustave Flaubert, kaut einige halbverdaute Gedanken Baudrillards wieder and that’s it. Wie man von einem vermeintlich feministischen Standpunkt aus über Porno schreiben kann und weder Linda Williams noch Andrea Dworkin erwähnt, ist mir ein Rätsel.
Und ja, das Buch wird sich selbstverständlich gut verkaufen. Und ja, es ist Hochstapelei. Auf niedrigem Niveau im Übrigen. Und ja, sie hat nicht Unrecht. Wie eben jemand kein Unrecht haben kann, der keinen Standpunkt hat.
Das Buch ist meinungs- und willen- und stillos. Geht es irgendwie schlimmer?
Das Buch hat mich aus mehreren Gründen geärgert. Dazu muss man zunächst mal wissen, dass es sich bei »Der Tanz um die Lust« formal weder um einen rein literarischen noch um einen explizit nicht-fiktionalen Text handelt. Von Schirach vermengt die dreieinhalb ihr zugeflogenen Gedanken mit semibiographischen Erzählpartikeln und Seminarliteratur (es gibt ein kleines Literaturverzeichnis, dazu später mehr). Das muss man nicht schlecht finden. Tatsächlich machen Dath, Meinecke und viele andere das schon seit langem und ich verehre sie dafür. Aber man sollte natürlich fragen: Warum macht von Schirach das? Diese Form führt bei ihr zu nichts als zu Langeweile. Ihre Figuren (»Freunde«) sehen natürlich alle verdammt gut aus, haben ein fluffiges Sexualleben, verdienen gut oder sind gerade dabei bald gut zu verdienen und wirken insgesamt wie Blaupausen von Mercedes’ »Urbanem Penner«. Die nicht-fiktionalen Teile des Buches beschäftigen sich mit, ja, mit was eigentlich? Grundsätzlich geht es um Sex, wie man ihn zu haben hat und wie besser nicht, darum, dass Liebe ja auch ganz töfte ist, beides zusamen aber nun wirklich das Nonplusultra und mehr Weisheiten Marke Binse.
Insgsamt prägt den Text so ein touchy-feely-Gestus. Everything goes, ist dann aber doch, vielleicht, irgendwie böse. Von Schirach weiß nicht wohin zwischen neuer F-Klasse und Alice Schwarzer. Der Duktus des Ungefähren verrät sie.
Wie gesagt, es gibt ein Literaturverzeichnis, das nach Distinktion schreit und vielleicht einiges zu erklären vermag. Dabei jedenfalls nur einen einzigen nicht-deutschsprachigen Text verzeichnet. Man könnte wissen, dass die Cultural Studies und damit eines der größten Gebiete zur Forschung über Sexbilder ihre Wiege in Übersee hat. So aber liest von Schirach Blödsinn von Norbert Bolz und Ulf Poschardt, viel Primärliteratur von Nin bis Gustave Flaubert, kaut einige halbverdaute Gedanken Baudrillards wieder and that’s it. Wie man von einem vermeintlich feministischen Standpunkt aus über Porno schreiben kann und weder Linda Williams noch Andrea Dworkin erwähnt, ist mir ein Rätsel.
Und ja, das Buch wird sich selbstverständlich gut verkaufen. Und ja, es ist Hochstapelei. Auf niedrigem Niveau im Übrigen. Und ja, sie hat nicht Unrecht. Wie eben jemand kein Unrecht haben kann, der keinen Standpunkt hat.
Das Buch ist meinungs- und willen- und stillos. Geht es irgendwie schlimmer?
pop. - 7. Jul, 00:49
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